Aufruf: "Wohnraum gesucht!"

Gerne stehen wir, die Mitglieder vom willkommensinitiative-Amikeco e.V., allen interessierten Vermietern und Hausverwaltern bei Besichtigungen und Übersetzung als Vermittler sowie Ansprechpartner zur Verfügung.

Wir freuen uns auf eine Mail von Ihnen:

wohnen@willkommensinitiative.de

 

Aufruf:

 

Liebe Wohnraumbesitzer_innen und Hausverwaltungen in Stadt und Landkreis Lüneburg,

es gibt in Lüneburg ein großes Wohnraumproblem. Dies betrifft nicht nur die hier wohnende Bevölkerung und insbesondere die Studierenden sowie sozial benachteiligte Personen. Es gibt in unserer Stadt noch eine weitere Menschengruppe, die ebenso deutlich zu spüren bekommt, dass der Lüneburger Wohnungsmarkt sehr umkämpft ist: Dabei handelt es sich um Flüchtlinge!

Wir sind eine Initiative, die sich in und um Lüneburg für der Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Menschen einsetzt. Manche von ihnen erhalten nach oft quälend langer Wartezeit während des Asylverfahrens die Anerkennung ihrer Fluchtgründe und ihre Aufenthaltserlaubnis - und damit die Möglichkeit eine eigene Wohnung zu mieten. Endlich können sie aus den die Nerven strapazierenden Sammelunterkünften, in denen sie lange ohne Privatsphäre gelebt haben, ausziehen. Dabei unterstützen wie sie!

Wir stoßen bei der Vermittlung von Wohnungen im wahrsten Sinne des Wortes oft auf verschlossene Türen, z.B., wenn Wohnungsvermieter einen nicht einmal zur Besichtigung einladen. Viele Menschen zeigen eine große Unsicherheit, wenn sie es mit Flüchtlingen zu tun haben. Vorurteile, Unkenntnis und manchmal einseitige Beeinflussung durch die Medien spielen dabei eine große Rolle und können dazu führen, dass kulturelle
Vielfalt fälschlicherweise leider mit belastenden Problemen gleichgesetzt werden Das hat zur Folge, dass Flüchtlinge, die nach einer schweren Zeit, oft mit traumatisierenden Erlebnissen, zu uns gekommen sind, dann, wenn endlich alles ,,besser'' werden könnte, Ablehnung erfahren. Asylbewerber sind in der Tat besondere Mieter, die ihre Eigenheiten haben: Welcher Nachbar bringt einem schon Kuchen direkt an die Haustür oder lädt zum gemeinsamen Teetrinken ein? Für uns fremdgewordene Eigenschaften, die man bei der Auswahl seiner Mieter wirklich kritisch betrachten sollte? Also vielleicht doch eher Bereicherung als Belastung.

Beispielsweise wohnen einige der ehemaligen Bewohner der Sammelunterkünfte mittlerweile in Studenten-WGs, was laut verschiedener Rückmeldungen für beide Seiten eine große Bereicherung ist. Die Mitbewohner_innen einer multikulturellen Wohngemeinschaft haben die Gelegenheit, einen interessanten sowie tiefen Einblick in eine andere Kultur zu bekommen, neue Speisen und Sprachen kennenzulernen und sich über spannende Geschichten aus aller Welt auszutauschen. Gleichzeitig wird den meist gebildeten und aus sozial starken Verhältnissen stammenden Flüchtlingen durch das gemeinschaftliche Leben der Anschluss an die deutsche Gesellschaft und damit der Spracherwerb erleichtert. Sie fühlen sich angenommen und akzeptiert, finden Freunde und endlich kann wieder etwas Normalität einkehren. Aber auch bei der Miete ganzer Wohnungen z.B. an Familien haben wir durchweg positive Erfahrungen gemacht. So wissen wir von wunderbaren und kollegialen Nachbarschaftsbeziehungen, bei denen neben Gebäck auch Vokabeln und das Wissen über verschiedene Gebräuche ausgetauscht werden. All diese Beispiele zeigen auf, wie bereichernd es sein kann, wenn Menschen verschiedener kultureller Hintergründe zusammenkommen. Es entstehen enge Freundschaften und die gastfreundlichen Werten der meisten Flüchtlinge sind eine Bereicherung für die Menschen, in deren Umgebung sie wohnen.

Alle Bewohner dieser Stadt sollten realisieren: Nur gemeinsam können wir die Zukunft Lüneburgs gestalten. Dazu gehört auch ein Zugang zu Wohnraum in allen Stadtteilen. Die Ghettoisierung von Flüchtlingen hat schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Folgen für unsere Gesellschaft, derer wir uns bewusst werden sollten. Der erschwerte Spracherwerb, der mit einer Chancenreduzierung bei der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche verbunden ist, sei nur als ein Beispiel genannt. Die Entstehung von Parallelgesellschaften mit ihren negativen sozialen Folgen können verhindert werden, wenn diejenigen in unserer Stadt, die über Wohnraum verfügen und ihn vermitteln, ihre soziale Verantwortung erkennen und ihre Immobilien auch für Flüchtlinge öffnen.

Wir wünschen uns, dass die verschiedenen Kulturen, die unsere Gesellschaft ausmachen, miteinander in Kontakt kommen.

Alle Menschen können von- und miteinander lernen. Wir sollten gemeinsam gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen und Migranten vorgehen. Jemand, der durch Krieg und Verfolgung seine Heimat verlassen musste, ist nicht automatisch ein unangenehmerer Mieter. Er hat nur im Gegensatz zur einheimischen Bevölkerung in Deutschland nicht das Glück,  dass in  seinem Land Frieden herrscht.  Das Bild des aus schlechten Verhältnissen kommenden und armen Asylbewerbers, welches leider oftmals besteht, ist leider das traurige Resultat von Stereotypisierung und Stigmatisierung, hat jedoch mit der Realität wenig zu tun: Die meisten Flüchtlinge, die den langen, gefährlichen und sehr teuren Weg nach Deutschland schaffen, sind studiert bzw. gut ausgebildet und stammen aus der Mittel- bzw. Oberschicht ihrer Gesellschaft. In ihren Heimatländern haben sie größtenteils eigene Häuser und einen guten Beruf besessen,  wurden dann aber vom Krieg eingeholt. Das Privileg des Friedens in Deutschland sollten wir uns alle bewusst machen und einen Beitrag leisten, als Zeichen unserer Annahme dieser Menschen, unserer Hilfsbereitschaft und der Ablehnung der Verbrechen an der Menschheit,  denen die meisten Flüchtlinge in ihren Heimatländern ausgesetzt waren.

Können Sie helfen? Wir freuen uns über eine Mail von Ihnen:

wohnen@willkommensinitiative.de

Vielen Dank!

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